Blutgruppen

Blutgruppen

Erythrozyten exprimieren wichtige (insgesamt 80) Oberflächenantigene, die in ihrer Gesamtheit als Blutgruppenantigene bezeichnet werden und in Blutgruppensystem zusammengefaßt werden können. Die klinisch relevantesten unter diesen sind das ABO und das Rhesus (Rh) System.

Das ABO System besteht aus zwei Zuckerresten, die man als A und B bezeichnet. Sie werden von demselben genetischen Locus  von einem DNS-Strang „gleichberechtigt“ (co-dominnant ) exprimiert, was bedeutet, daß Personen mit beiden Genvarianten –also ein A vom Elternteil 1, ein B vom Elternteil 2- an der Zelloberfläche sowohl das Antigen A als auch B tragen. Besitzt ein Individuum keines der beiden Varianten, wird die Konstellation als „Null“ (0) bezeichnet.  Kommt nur ein A auf einem oder beiden DNS-Strängen vor, besitzt man die Blutgruppe A und vice versa die Blutgruppe B. Die klinische Relevanz einer Blutgruppe liegt jedoch darin, daß das Immunsystem gegen ein fehlendes Blutgruppenantigen Antikörper der Klasse IgM ausbildet, die im Falle eines Kontakts (zum Beispiel bei einer Bluttransfusion) zu einer (gefährlichen) Erythrozytenagglutination und/oder Komplement-induzierter Zelllyse führen. Die Antikörper werden als Isohämagglutinine bezeichnet und sind das Resultat einer molekularen Mimikrie der AB Antigene mit strukturell ähnlichen Antigenen auf der Oberfläche intestinaler Bakterien, gegen welche der Organismus im Zuge seiner kindlichen Entwicklung schützende Antikörper ausbildet.

Im klinischen Alltag muß die ABO-Blutgruppe bei der Transfusion von Komplettblut streng kontrolliert werden, um Transfusionsreaktionen zu vermeiden. Anders verhält es sich bei Erythrozytenkonzentraten: Personen mit Erythrozyten der Blutgruppe Null werden als Universalspender geführt, da sie an der Oberfläche weder A noch B Antigene erkennen und somit prinzipiell nicht abgestoßen werden können. Ähnlich können PatientInnen der Blutgruppe AB durch das Fehlen von Antikörpern, die gegen A oder B gerichtet sind, als Universalempfänger aufgefaßt werden.

Einem weiteren Blutgruppensystem liegt die Expression von 50 Rhesusantigenen zugrunde, von denen fünf als Majorantigene klassifiziert werden. Die Basis bilden die beiden Gene RHD und RHCE. RHD wird dominant vererbt wird, was die Einteilung in Rhesus D-positive und Rhesus D-negative (auch genannt Rhesus d) Personen begründet. Aus RHCE gehen hingegen zwei Proteine, nämlich Rhesus C und Rhesus E, hervor. Auch bei diesen ergibt sich jeweils die Kombination C und c bzw E und e. Somit existieren die Rhesus-Genotypen DD, Dd, CE, Ce, cE und ce. Wie gegen die Blutgruppenantigene A und B können PatientInnen auch gegen Rhesus D, C und E Antikörper ausbilden. Dabei ist entscheidend, daß es sich um Immunglobuline der Klasse G (IgG) handelt, die die Plazentaschranke passieren können und bei pathologischer Konstellation beim Neugeborenen zu einer Hämolyse führen können. Das klinisch dringendste Problem ist eine Inkompatibilität einer Rhesus D-negativen Mutter mit den Erythrozyten eines Rhesus D positiven Feten. Man entgegnet dieser Gefahr mit der prophylaktischen intramuskulären Injektion von anti-D Immunglobulin, welches ihre eigene Sensibilisierung gegen Rhesus D verhindert.

 

Blutgruppen werden mit dem Coombs-Test nachgewiesen.

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