B-Zellen

B-Zellen

B-Zellen (syn B-Lymphozyten) tragen Ihre Bezeichnung aufgrund ihrer Entdeckung in einem Organ namens Bursa Fabricii, die vom Anatomen Fabrici d’Acquapendente (1533 – 1619) als birnenförmige, dorsale Ausbuchtung des Enddarms kurz vor der Mündung in den After bzw. der Kloake von Hühnern entdeckt worden ist- Sie wurden daher ursprünglich als Bursa-abhängige Zellen bezeichnet. Sie gehören zu den Lymphozyten und somit zur hämatopoetischen Linie, die sich ontogenetisch aus dem Mesoderm entwickelt. Beim Menschen geht der Großteil der B-Zellen gemeinsam mit T-Zellen aus lymphatischen Vorläuferzellen im subcorticalen Anteil des Knochenmarks hervor, weshalb die Abkürzung B-Zelle auch für engl. Bone Marrow verwendet werden kann). Sie werden korrekterweise als B2-zellen bezeichnet (B1-Zellen gehören zum natürlichen Immunsystem und befinden sich in Pleura und Peritoneum). Dort entstehen in einem mehrstufigen Reifungsprozeß, die über Blutgefäße an der Knochen-Spongiosa als reife B-Lymphozyten in den Kreislauf gelangen.

B-Lymphozyten sind Teil des erworbenen (adaptiven) Schenkels des Immunsystems und patrouillieren über das Blut- und Lymphgefäßsystem im Körper auf der Suche nach einem Fremdantigen. Kommt es zu einem stabilen Zusammentreffen zwischen B-Zelle und Fremdantigen transdifferenzieren diese zu Plasmazellen mit dem Ziel, reichlich Immunglobuline (Antikörper) zu produzieren und sezernieren, die spezifisch für genau dieses Fremdantigen sind (s. klonale Selektion).

Im Gewebe zählt man B-Lymphozyten zum sogenannten mononukleären Infiltrat, das als zweite Entzündungswelle (nach der natürlichen Abwehr) ca 48 Stunden nach dem Erstkontakt mit einem Antigen festzustellen ist.

Je nach zeitlichem Ablauf ihrer Aktivierung synthetisieren B-Zellen Immunglobuline unterschiedlicher Klassen. Nach Abklingen der Immunantwort, zum Beispiel nach erfolgreicher Abheilung einer Infektion, bleiben B-Lymphozyten als Gedächtniszellen (engl. Memory B-Cell) zurück, um bei erneuter Infektion rascher und effektiver gegen das infektiöse Agens reagieren zu können.

B-Lymphozyten werden im Rahmen der Leukozytentypisierung im Blut oder bei bestimmten Pathologien am Gewebsschnitt quantifiziert. Man verwendet dazu die B-Zell-Oberflächenproteine CD19 oder CD20 als Biomarker. Diese Analysen geben zum einen Auskunft über eine systemische und/oder Organ-spezifische entzündliche Pathologie. Zum anderen können B-Zellen selbst neoplastisch entarten und sich zu einem Lymphom oder Plasmozytom/Myelom entwickeln.

Noch häufiger werden im klinischen Alltag Antikörper aus dem peripheren venösen Blut (IgG, IgM, IgA) oder aus Sekreten (IgA) bestimmt, die Auskunft über das die Immunantwort auslösende Antigen und somit die ursächliche Erkrankung geben können.

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